Schleifmühlgasse, im Hof
Liebe Frau Haller, die Geige, die Sie im März gebracht haben, liegt noch auf der Bank. Die Rippe auf der Bassseite ist gerissen. Nicht vom Sturz: der Winter war trocken, das Holz ist gelaufen, der Leim hat nachgegeben. Die Decke ist abgenommen. Einen Tag nennen wir nicht.
Die Werkstatt ist eine Treppe hoch, die Tür im Hof hat keine Glocke. Neu bauen wir selten. Was hereinkommt, hat schon jemandem gehört. In Ihrer Geige steckt ein Zettel, die Schrift ist verblasst. Den Namen lesen wir erst laut, wenn wir sicher sind, dass wir ihn richtig lesen.
Der Firnis kommt danach, und der lässt sich nicht drängen. Davon steht ein eigener Zettel hinten im Raum, wo die Gläser stehen.